Juni – Mauravann (Mauritius)

Mauravann (Mauritius)
Klangkosmos Weltmusik
Donnerstag 09. Juni 2016

Das Ensemble Mauravann reist aus Mauritius an. Gerade einmal 65km lang und 45km breit ist diese Insel im südwestlichen Indischen Ozean. Gemeinsam mit einigen noch kleineren Nachbarinseln bildet sie den Staat Mauritius mit ca. 1,3 Millionen Einwohnern. 



Doch so klein das Land, so groß ist die Vielfalt der dort lebenden Menschen – ein wahrer Schmelztiegel der Kulturen. Sklavenhandel, Kolonialpolitik und Handelsrouten quer über die Weltmeere brachten Menschen aus afrikanischen und arabischen Ländern, aus Europa, aus Indien und China nach Mauritius. Moslems, Christen, Buddhisten und Hindus – alle sind Teil der heutigen mauritischen Gesellschaft. Muttersprache von fast allen ist das mauritische Kreolisch. In den Massenmedien dominiert jedoch Französisch. 
Während die einst große Zuckerindustrie im Land langsam auszusterben scheint, blüht der Tourismus so richtig auf: ein akuter Wandel, der nicht für alle ganz einfach zu verkraften ist. Die Einheimischen mit afrikanischen Wurzel sprechen gar von einer Art Krankheit, dem Fehlen einer wirklich eigenen Identität. Die „malaise créole“, die kreolische Krankheit: jeder hat sie – auch die Mauritianer mit europäischen, arabischen oder asiatischen Wurzeln, jeder ignoriert sie. Doch es scheint ein Medikament gegen die „malaise créole“ zu geben, das immer wirkt: die Sega-Musik, die von allen Volksgruppen in Mauritius als „ihre“ Musik anerkannt ist und verbindender universeller musikalischer Ausdruck dieser kreolischen Gesellschaft ist.


Die Wurzeln des Sega liegen im 18. und 19. Jahrhundert, einer Zeit als Sklaven aus Afrika nach Mauritius verschifft wurden, um dort auf den Zuckerplantagen zu schuften. Um die Sehnsucht nach der alten Heimat und die Sorgen und Qualen des schweren Alltags zu vergessen, versammelten sich die Menschen abends um ein großes Feuer und machten bis zur Morgendämmerung Musik. Lieder und Rhythmen aus Ländern wie Mosambik, Sansibar und Madagaskar verschmolzen über die Jahre, und es entstand eine ganz eigene, neue Inselmusik mit Tanz. Auch auf den Nachbarinseln im Indischen Ozean, wie den Seychellen oder La Réunion ist der Sega Musik- und Tanz-Stil weit verbreitet und höchst beliebt. 



Ein Instrument ist dabei unentbehrlich: die Ravanne, eine traditionell mit Ziegenleder bespannte Trommel, die mit beiden Händen geschlagen wird. Der hölzerne Rahmen ähnelt einem Tamburin und hat einen Durchmesser von ca. 50-90cm. Damit die Ravanne richtig klingt, wird sie über dem Feuer immer wieder erhitzt, so dass das Leder trocknet, sich straff über den Holzrahmen spannt und so gut klingt. Heutzutage ersetzt allerdings häufig Synthetik das Leder: erstens ist es immer schwieriger, gutes Ziegenleder zu finden, und zweitens finden Sega-Aufführungen auch nicht mehr so häufig am Lagerfeuer statt. 



Zwei weitere Instrumente gehören unbedingt zur mauritischen Sega-Musik: die Triangel und die sogenannte Maravanne, ein aus getrockneten Zuckerrohrstielen gefertigtes Perkussionsinstrument: eine Art Waschbrett, das mit getrockneten Samen oder Kernen gefüllt ist. Maravanne-SpielerInnen sind häufig gleichzeitig TänzerInnen, denn das Instrument „schüttelt“ man waagrecht im Rhythmus – eine Bewegung, die großen Körpereinsatz erfordert. 



Verwurzelt in einer Musikkultur der Unterdrückung, ist Sega in Mauritius heutzutage nicht mehr wegzudenken und auch als Partymusik zu allen Anlässen unersetzbar: kulturelles Treibgut und gesellschaftlicher Treibstoff, der auch junge Menschen begeistert und fasziniert, wie das Ensemble Mauravann. 



Die vier Musiker sind Teil einer jungen und sehr dynamischen Musikszene der Insel. Sie richten ihren künstlerischen Blick sowohl in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft mit dem Ziel: eine Hommage an den mauritischen Sega und seine traditionellen Instrumente mit einem persönlichen, modernen Touch sowie einer guten Portion zeitgenössischer musikalischer Einflüsse zu verbinden. Als Quartett interpretieren sie das Repertoire der großen Sega Klassiker auf ihre eigene Weise, komponieren aber auch neue Stücke im Sega Stil. Neben den drei typisch mauritischen Instrumenten, der Ravanne, der Maravanne sowie der Triangel, greifen sie auch zu Gitarren und anderen Instrumenten aus der südwestlichen Region des Indischen Ozeans.

BEGINN 18 UHR EINTRITT FREI

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